Meinungen

Rede von Christa Pfeiffer (DFG-VK) auf der Kundgebung in Bonn zum Antikriegstag am 1. September 2005

Die Deutsche Friedensgesellschaft ist die älteste Friedensorganisation des Kontinents. Sie wurde 1892 von Bertha von Suttner gegründet. Das Jahr 2005 wurde zum Bertha von Suttner-Jahr erklärt, weil sie vor 100 Jahren, also 1905 den Friedens-Nobel-Preis erhalten hat. Leider hat die Organisation heute nur noch die Hälfte der Mitglieder wie vor dem 1. Weltkrieg. Aber wir geben nicht auf.

Als ich vor mehr als 42 Jahren dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (der sich im Jahre 1974 mit der Deutschen Friedensgesellschaft zur Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, kurz DFG-VK zusammengeschlossen hat) beigetreten bin, waren die Mitglieder aus der Generation meines Vaters und meiner Brüder. Die letzteren hatten es sehr schwer, den Kriegsdienst zu verweigern, da sie sich einem strengen und schwierigen Prüfungsverfahren unterwerfen mussten. Die Ersatzdienstleistenden – wie sie damals noch genannt wurden – hatten es auch nicht leicht, da sie als Drückeberger und Pisspottschwenker verschrien wurden.

20 Jahre später war es dann die Generation der Söhne, die es schon leichter hatten. Sie mussten zwar immer noch Prüfungsverfahren überstehen, aber ihre Arbeit als Zivildienstleistende war inzwischen anerkannt und geachtet.

Wir haben ihnen in unseren Beratungen geholfen und sie lernten dabei, wie sie sich in bei den Prüfungsverhandlungen zu verhalten hatten, um anerkannt zu werden. Viele von ihnen sind dann Mitglied geworden, weil ihnen klar wurde, dass es zwar gut für sie persönlich war, nicht zum Töten ausgebildet zu werden, dass sie aber darüber hinaus mehr für den Frieden in der Welt tun mussten, denn nur friedlich denken ist zu wenig, und mit vielen anderen in einer Friedensorganisation kann man mehr erreichen als allein.

Die heutige Generation der Enkel hat es wesentlich leichter, den Kriegsdienst zu verweigern, da die Prüfungsverhandlungen bis auf wenige Ausnahmen abgeschafft wurden und nun nach Aktenlage entschieden wird. Es haben zwar im vorigen Jahr ca. 140.000 Männer – das sind ca. 40% der Wehrpflichtigen – verweigert. Leider sind nur ganz wenige Mitglied der DFG-VK geworden. Die Kriegs-dienstverweigerung wird mehr und mehr als etwas Persönliches empfunden und dabei wird die politische Dimension ausgeblendet. Woher das wohl kommt, wissen wir nicht genau. Vielleicht rührt es daher, dass es 60 Jahre her ist, dass der Krieg in Deutschland beendet wurde und für die jungen Menschen nur noch Geschichte ist, von der sie außerdem kaum etwas wissen. Andererseits ist der Krieg für Soldaten seit ca. 10 Jahren durch Auslandeinsätze näher gekommen. Auch versucht man immer wieder, die Ausbildung zum Soldaten wie die Ausbildung zu einem x-beliebigen Beruf erscheinen zu lassen. Die, die das erzählen halten sich selber nicht daran. Wenn es Tote gibt, werden diese nicht wie Tote behandelt die in Ausübung eines normalen Berufes sterben, sondern sie werden in fahnengeschmückten Särgen feierlich in einem Staatsakt beerdigt. Das passiert zum Beispiel nicht mit einem Dachdecker der in Ausübung seines Berufes vom Dach gefallen ist. Im Übrigen kann die Ausbildung zum Töten nie ein „normaler“ Beruf sein.

In den heutigen Kriegen, wie zum Beispiel im Irak sieht man keine Leichen und schon gar keine Verwundeten, die es wohl zu zig Tausende gibt. Obwohl sie aus dem Irak meistens zunächst in ein Krankenhaus in Deutschland geflogen werden, sieht man davon nichts im Fernsehen.

Sind das die Gründe warum Kriegsdienstverweigerer denken, dass es reicht, wenn sie persönlich nicht töten müssen? Um den Frieden hier und in der Welt müssen wir immer noch kämpfen und zwar mit anderen zusammen.

Ich habe in der langen Zeit meiner Mitgliedschaft in der DFG-VK gelernt, dass es nur in kleinen Schritten geht. Wer hätte zu Anfang des 20. Jahrhundert geglaubt, dass wir am Ende mit unseren „Erbfeinden“ in Frieden leben.

Auch wenn es immer heißt, dass das was wir tun nichts bringt, weil es immer Kriege gegeben hat und geben wird, dürfen wir uns nicht entmutigen lassen, denn es hat auch immer und wird auch immer Menschen geben, die für den Frieden kämpfen und sich nicht entmutigen lassen und auf lange Sicht immer wieder erreichen, dass wir dem Frieden näher kommen.

Ihr habt vielleicht inzwischen gemerkt, dass ich mit meinen Ausführungen für die Mitgliedschaft in die DFG-VK werben will. Besonders die jungen Leuten bitte ich bei uns mitzumachen und die Älteren bitte ich, die Jungen davon zu überzeugen, dass es sich lohnt und wichtig ist mitzumachen.

Angeregt von dem Beitritt der Oberbürgermeisterin von Bonn, Bärbel Dieckmann zu den Mayors for Peace = den Bürgermeistern für den Frieden – eine weltweite Organisation, initiiert von den Bürgermeistern von Hiroshima und Nagasaki – wollen wir alle Bürgermeister im Rhein-Sieg-Kreis, die dieser Organisation noch nicht angehören, davon überzeugen, es zu tun. Dabei können wir noch Unterstützung gebrauchen und würden uns freuen, neue Mitglieder begrüßen zu können.

Zum Schluss habe ich einen persönlichen Wunsch. Ich wünsche mir, dass am nächsten Antikriegstag ein DFG-VK-Mitglied die Rede hält, das 50 Jahr jünger ist als ich.
Ich danke euch für Euer Zuhören