Friedens-Gedichte

Hier findet Ihr Gedichte zum Thema Frieden, gegen Krieg und Gewalt.

             
               Der höhere Frieden

 Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen,
Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf,
Menschen, die im Busen Herzen tragen,
Menschen, die der Gott der Liebe schuf:
Denk ich, können Sie doch mir nichts rauben,
Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
Der dem Hasse, wie dem Schrecken, wehrt.
Nicht des Ahorns dunkle Schatten wehren,
Dass er mich, im Weizenfeld, erquickt,
Und das Lied der Nachtigall nicht stören,
Die den stillen Busen mir entzückt.

Heinrich von Kleist (1777-1811)

Wenn die Börsenkurse fallen

Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf: ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los, den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten:
wenn Papier den Wert frisiert, wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen, haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek auf's Haus heißt: Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken, kommt die ganze Welt ins Wanken
- auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden? Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat!

       Lauter Tod

Bomben dröhnen über der Stadt,
Ängste eilen durch Straßen.
Wohin sollen Leben flüchten?
Wohin, wohin?

Zerstörtes bietet kaum noch Schutz,
Ungetüme fallen,
es kracht und knallt, zersprengt das Gut,
Schreie hallen, verstummen im Grab des Krieges.
Helfer retten graue Menschen,
tote und lebende Wesen
verstört, geschockt,
den Augenblicken so fern,
der irdischen Höllenqual so nah.

In Bomben sitzt der Tod,
zählt seine Opfer nicht!

© Heidrun Gemähling (*1943)

       Kriegsgeschehen

Nebelschwaden hängen über Feldern,
es ist Krieg und der Winter naht,
feurig laut der Welt Geschehen,
grau des Himmels Wolken.

Qualvoll stapfen Soldaten
durch glitschig schlammigen Grund
verwüsteter Ebenen, auf denen
Kettenspuren tiefe Gräben hinterlassen,
vorbei an brennenden Häusern,
deren Menschen schreckensvoll fliehen,
dazwischen Kämpfende, Verletzte in
verdreckten zerfetzten Uniformen,
ihr Stöhnen im Tumult verhallt,

Seelen im gespenstigen Kugelhagel,
die taumelnd schreiend im Blumenbeet
mit letzten Kräften gegen das Inferno anbrüllen,
elendig und gnadenlos verrecken,
ihr kostbares Sein aushauchen,

dem unersättlichen Sensenmann
zur frischen Beute werden,
trotz dem Segen Geistlicher.

© Heidrun Gemähling (*1943)

       Kreuze der Kriege

Wie mit ausgebreiteten Armen
stehen sie bis zum Horizont,
Kreuze des Todes,

Symbole grausamer, brutaler
und teuflischer Metzeleien aus
vergangenen Zeiten,
denen junge Menschen
sich kaum erwehren konnten,
Soldaten der jeweiligen Macht,
sinnlos geopfert wurden,

der Erde geweiht,
den Müttern entrissen,
den Frauen genommen,

den Kindern blieb nur die
Unbegreiflichkeit verirrter Sinne.

© Heidrun Gemähling (*1943)

       Friedensweg

Wer den Frieden liebt,
geht den Weg des Rechts,
folgt den Spuren des Geraden
in seiner Fülle,

meidet
Gassen der Schlechtigkeit,
schändliche Gewalttätigkeiten,
Menschen, die Falschheit reden,
die sich mit Blutschuld beflecken,
grausame Kriegsgedanken schüren
und Unschuldige in mörderischer Weise
verjagen, verstümmeln, entwürdigen,
Kindern Gewehre aufzwingen.
Meidet sie!

Wege dieser Art führen nie zum Frieden,
weil böse Mächte Völker auf Pfaden der Dunkelheit
gefangen halten, den Lebenden das Licht nehmen,
sie hinter Mauern des barbarischen Unheils
blindgläubig ins Verderben treiben,

dem Friedensweg so fern.

© Heidrun Gemähling (*1943)

       Erkenntnisse im Gefecht

In verdreckten Uniformen kauern
Soldaten auf blutverschmierter Erde,
bangen um ihr Leben,
erkennen in Momenten die Sinnlosigkeit
ihrer barbarischen Situation,
die schonungslosen Kämpfe
im angsterfüllten Kriegsgeschrei
und hoffen,
dass das gnadenlose Artilleriefeuer
bald sein Ende findet,

denn ein teuflisches Gesicht hat ihre
eroberungssüchtige Wirklichkeit bekommen,
in Sichtweise ermordete Kameraden
mit denen sie lachten und weinten
bevor der Todeshauch
ihre Seelen berührte.

© Heidrun Gemähling (*1943)